Schlosskuppel: bitte ohne Kreuz!

Seit zehn Jahren engagiert sich eine Arbeitsgemeinschaft der Stiftung Zukunft Berlin gemeinsam mit anderen Akteuren und im Kontakt mit den Verantwortlichen für das Humboldt-Forum im teilrekonstruierten Stadtschloss. Als Teil der Zivilgesellschaft beteiligen wir uns mit Vorschlägen, Diskussionen oder Veranstaltungen an der inhaltlichen Planung dieses großen Kulturprojektes.

Stand anfangs die Frage im Mittelpunkt der Debatten, ob denn das Humboldt-Forum in die barocke Hülle eines Schlosses passe, ob Form und Inhalt sich entsprächen, scheint heute diese Diskussion durch den Baufortschritt und die vorliegenden Konzepte überholt. Zu erwarten ist nun aber, dass neue Auseinandersetzungen entstehen werden, diesmal „unterm Kreuz“. Denn die erst 1854 aufgesetzte und nun nachgebaute Kuppel soll, dem historischen Vorbild entsprechend, wieder durch ein Kreuz bekrönt werden.

Im Humboldt-Forum als einem Ort des weltweiten Dialogs sollen auf Augenhöhe und ohne Hierarchisierung die Kulturen der Welt zuhause sein, ihre Vertreter Antworten auf Fragen der Gegenwart und Zukunft finden. Es soll ein Haus für alle werden. Unterm Kreuz? Das klingt nach 19. Jahrhundert und nach christlicher Leitkultur. Dabei wollen erfreulicherweise die Intendanten anhand der außereuropäischen Sammlungen, die dort einziehen werden, Kolonialismus und Eurozentrismus im Humboldt-Forum thematisieren. Allein deshalb passt heute kein religiöses Symbol auf das Ganze.

Befand sich ursprünglich unter dem Kuppelkreuz eine christliche Kapelle, so fehlt dieser „Unterbau“ heute. Das Kreuz als lediglich dem scheinbar historischen Vorbild und der Tradition verpflichtetes Schmuckelement – Christen dürften davon wenig begeistert sein. Dank dem Spender für die bekrönende Laterne auf der Kuppel – aber bitte ohne Kreuz!

Eckhardt Barthel & Herbert Wiesner
Leiter der AG Humboldt-Forum in der Stiftung Zukunft Berlin

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